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Erdoğan Atalay:

"Die Action ist das Sahnehäubchen"

 

Veröffentlicht in der Westfälischen Zeitung am 14.03.2008

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Wenn schon nach wenigen Minuten, kurz vor dem Vorspann, die Autos durch die Luft fliegen, es kracht und brennt und die Autobahn im Chaos versinkt, weiß der Zuschauer: Es ist Zeit für „Alarm für Cobra 11“. Seit zwölf Jahren rasen die Autobahnpolizisten rund um Köln und jagen Verbrecher – mit Dränglern und Rechtsüberholern geben sie sich dabei gar nicht ab. Von Anfang an dabei: Erdoğan Atalay in der Rolle des Semir Gerkan. Zum Start der 13. Staffel sprach unser Redaktionsmitglied Gunnar A. Pier mit dem 41-jährigen Darsteller

 

 

 

Gunnar A. Pier:     Herr Atalay, wie viele Punkte haben Sie in Flensburg?

 

Atalay:                (lacht herzhaft) Andere Frage!

 

Gunnar A. Pier:     Also viele.

 

Atalay:                Ich hab’ keine Ahnung, aber das sind schon ein paar.

 

Gunnar A. Pier:     Wofür?

 

Atalay:                Für zu schnelles Fahren. Ich fahre schon ganz gerne Auto. Keine weiten Strecken, aber ich fahre gerne sportlich, wenn es die Umstände erlauben.

 

Gunnar A. Pier:     Was fahren Sie denn für ein Auto?

 

Atalay:                Einen Maserati.

 

Gunnar A. Pier:     Und wieviel Semir Gerkan steckt im Autofahrer Atalay?

 

Atalay:                Ich fahre natürlich nicht wie Semir. Ich fahre defensiver, ich fahre weit vorausschauender, ich möchte ja niemanden gefährden. Semir möchte natürlich auch keinen gefährden, aber im Einsatz ist er schon anders unterwegs.

 

Gunnar A. Pier:     Drehen Sie solche Szene selber?

 

Atalay:                Ja klar. Ich mache die Sachen selber, bei denen man mich sieht, auch die Sprünge. Überschläge drehe ich nicht selbst. Es macht ja keinen Sinn, sich einer solchen Gefahr auszusetzen.

 

Gunnar A. Pier:     "Alarm für Cobra 11“ gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Action-Serien. Was macht Sie so erfolgreich?

 

Atalay:                Ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass wir nie stehen geblieben sind. Wir haben uns nie auf unseren Lorbeeren ausgeruht, sondern uns weiter entwickelt. Das kann man aber nur wissen, wenn man diese Entwicklung mitgemacht hat. Es gibt ein Stammpublikum mit Fans, die das von Anfang an verfolgt haben – die wissen das. Wir sind gewissermaßen erwachsen geworden. Und so lange es uns gibt, arbeiten wir daran.

 

Gunnar A. Pier:     Was bedeutet das?

 

Atalay:                Wir sind zum Beispiel sehr akribisch dabei, die Charaktere, die immer wieder auftauchen und verschwinden, sehr gut zu erzählen. Nur Action – das kann man sich auch im „Making of“ angucken. Wenn man „Cobra“ betrachtet, merkt man, dass die Action nur ein Teil der Serie ist. Früher war das explizit auf die Action bezogen, das hat sich aber gewandelt.

 

Gunnar A. Pier:     Was ist heute wichtiger bei "Cobra 11“: die Stunts oder die Geschichten?

 

Atalay:                In erster Linie glaube ich immer, dass die Geschichten das Wichtigste sind. Die Action, die bei uns in hoher Professionalität gemacht wird, ist das Sahnehäubchen. Kein Mensch guckt sich einen Film an weil er weiß: Super, da knallt’s ordentlich. Das hat man alles schon tausend Mal gesehen. Die Verbindung von einer schönen Geschichte mit der Action ist das Besondere von „Cobra 11“.

 

Gunnar A. Pier:     Wenn ich das schaue, unterstelle ich Ihnen immer ein Augenzwinkern . . .

 

Atalay:                Ja klar! (Lacht) Früher hat mal einer gesagt: Das ist doch nicht real! (lacht) Nee, natürlich nicht! So’ne Autobahnpolizei wie uns gibt’s ja gar nicht.

 

Gunnar A. Pier:     Es ist ungewöhnlich, dass Sie erst auf der Autobahn Leute jagen und dann hinterher den Fall auch noch aufklären.

 

Atalay:                Genau, das gibt’s eben sonst nicht. Eigentlich ist das getrennt, dann kommt die Kripo.

 

Gunnar A. Pier:     Verfolgungsjagden inszenieren Sie mit hohem Tempo, schnellen Schnitten. Wenn Sie drehen: Wieviel fühlen Sie von dem, wonach es später aussieht?

 

Atalay:                Es kommt drauf an. Das sieht natürlich alles schneller aus als es ist. Aber weil wir nicht nur fahren, sondern auch schauspielen, brauchen wir hohe Konzentration. Ich muss ja auch aufpassen, was passiert, ob beispielsweise jemand auf die Fahrbahn läuft, weil er nicht weiß, dass wir drehen. Da muss ich schon sehr wach sein.

 

Gunnar A. Pier:     Wenn Sie jetzt nach vorne schauen: Haben Sie eine Richtung, in die Sie die Serie gerne entwickeln möchten?

 

Atalay:                Das ist eine schleichende Entwicklung. Ich nehme, was kommt. Wir wollen das Format so erhalten, aber das Drumherum ändert sich. Werden wir lustiger oder ernster? Ein konkretes Ziel – Nein.

 

 

 

 

 

Online 17.09.2009
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