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Interview

"Man braucht nicht immer Superlativen"

 

Reportage aus den Lübecker Nachrichten vom 29.03.2004

© Teleschau / Text beim Verfasser (s.u.)

 

 

 

(tsch) Ruhig und bescheiden wirkt Erdoğan Atalay. Er spricht mit sanfter Stimme und streut ab und an ein verlegenes Lachen ein. "Es ist doch nichts Besonderes, an einem Helikopter zu hängen", sagt er fast entschuldigend. Der 37-Jährige findet es "völlig normal", den Großteil der Stunts in der Action-Serie "Alarm für Cobra 11" selbst zu machen. "Einmal hatte aber auch ich Bammel - als ich rückwärts vom Kölner Messeturm fallen sollte. Ich war natürlich abgesichert, aber es war schon heftig." Seit neun Jahren ist er nun schon als der türkische Polizist Semir dabei. "Die Zeit vergeht unglaublich schnell."

 

Dabei begann seine Schauspielkarriere per Zufall. "Ich war mit einem Freund bei einer Theatervorstellung in Hannover. Das sah so einfach aus, und ich habe einfach mal nachgefragt, ob ich mitmachen könne. Dann habe ich eine Statistenrolle bekommen - ich war der Geist bei 'Aladin und die Wunderlampe'." Das machte er offenbar richtig gut: "Später fragte mich ein Regisseur, ob ich auch mal eine Hauptrolle übernehmen möchte."

 

So kam schließlich eins zum anderen, bis er dann in einer Berliner Castingagentur für eine TV-Rolle als Gemüsehändler vorsprach. "Den durfte ich nicht spielen, dafür bekam ich das Engagement bei 'Cobra 11'." Ein Glücksgriff, wie sich herausstellte. Durchschnittlich schalten über 25 Prozent der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ein. "Ich glaube, wir haben so einen Erfolg, weil wir die Serie immer weiter perfektionieren. Außerdem waren wir die erste Action-Reihe im deutschen Fernsehen."

 

Langweilig wird ihm auch nach so langer Zeit nie. "Es gibt viele Gastschauspieler, die immer wieder kommen. Das ist wie ein kleines Happening. Schön ist auch, dass ich in den Jahren eine gewisse Routine bekommen habe. Das heißt nicht, dass ich irgendetwas wegspiele, sondern dass ich mich auf das Wesentliche konzentrieren kann, weil ich mich nicht mehr abhängig von irgendwelchen Umständen machen muss. Ein wenig fühle ich mich so, als sei ich in der Serie zuhause." Kein Wunder, dass er da noch nicht ans Ende denken mag. "So lange die Qualität bleibt, wie sie derzeit ist, bin ich dabei."

 

Wie die Zukunft aussieht, weiß der Berliner noch nicht. "Ich lasse einfach alles auf mich zukommen. Ich mache mir eher Gedanken über meine Tochter." Sie kam vor zwei Jahren auf die Welt. Seitdem hat sich "alles verändert". Der Blick aufs Leben zum Beispiel. "Neulich waren wir im Zoo, und ich wollte ihr eine Giraffe zeigen, aber sie fand das Blatt, das sie in der Hand hielt, viel spannender. So etwas beweist, dass man im Leben nicht immer nur Superlativen braucht." Damit ihr der Sohn einer Deutschen und eines Türken seine osmanischen Wurzeln mit auf den Weg geben kann, versucht er, regelmäßigen Kontakt in die Türkei zu halten. "Das ist gar nicht so einfach. Ich selbst spreche kein Türkisch. Mein Vater fand es früher wichtiger, dass ich Deutsch lerne."

 

Im Sommer (2004) will der Schauspieler und Drehbuchautor ("Ich arbeite an verschiedenen Projekten, die alle noch in der Anfangsphase sind") seine Freundin Astrid Ann-Marie Pollmann, die ab und an Episodenrollen bei "Alarm für Cobra 11" übernimmt, heiraten. "Vermutlich findet die Hochzeit im August statt. Mal sehn, wann wir genügend Zeit finden." Die ist derzeit knapp, da er wieder für die Serie vor der Kamera steht. Auch seine Stute kann er im Moment nicht so oft besuchen. "Sie steht in der Nähe von Hannover. Babode heißt sie und ist schon 28 Jahre alt." Seine Liebe zu den Tieren hat er stets behalten. "Eigentlich wollte ich mal Bereiter werden", sagt er und lacht wieder dieses schüchterne, verlegene Lachen.

 

Hella Bunke

teleschau/tv-young 26.03.2004

 

Hinweis: der Link zur damaligen Veröffentlichung ist inzwischen nicht mehr erreichbar:  *)

http://www.ln-online.de/news/archiv/?id=1366631&dbci=1&search=Erdogan%20atalay

 

 

© Zeichnung: Božena Loupancova

 

 

 

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Online am 14.09.2007 *)

 

 

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