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"Viel Schrott und ein Urgestein" Interview mit Erdoğan Atalay zum 10jährigen Jubiläum
von "Alarm für Cobra 11" |
(tsch)
Schöner und zahlreicher als bei "Alarm für Cobra 11" flogen Autos nie
durchs deutsche Fernsehen. Am Donnerstag, 30. März, 20.15 Uhr, startet die Action-Serie
bei RTL mit sieben neuen Folgen ins zehnte TV-Jahr, was natürlich einiges über
die Beliebtheit (2005 waren es im Schnitt 5,3 Millionen Zuschauer) verrät, aber
auch jede Menge Schrott zu Tage fördert. Über 3.000 Boliden mussten bislang im
Sinne der Abendunterhaltung ihr mobiles Leben lassen - umgerechnet sind das
über 20 Autos pro Stunde. Ein Porsche setzte zum 200-Meter-Flug an. Andere
verglühen in gewaltigen Explosionen. Erdogan Atalay hat sie alle kommen und
vergehen sehen. Seit der zweiten Episode ist er als Ermittler Semir Gerkhan mit
von der Partie. Zeit, ein bisschen nostalgisch zu werden ...
teleschau: Sie sind
das Urgestein der Serie. Können Sie sich ein Leben ohne "Alarm für Cobra
11" überhaupt noch vorstellen ?
Atalay: Semir
ist mittlerweile ein großer Bestandteil meines Lebens. Das ist einerseits
wunderbar, weil es eine gewisse Lässigkeit für die Rolle mit sich bringt.
Problematisch ist das allerdings für andere Produktionen, weil man auf diese
Figur festgelegt ist. Zweifellos eine zweischneidige Angelegenheit ...
teleschau: Klingt
ein bisschen wehmütig ...
Atalay: Nein,
ich mag meine Rolle und würde die Serie nur ungern aufgeben, um andere Filme zu
drehen. Nur kommt irgendwann für jeden die Zeit, sich nach neuen Möglichkeiten
umzusehen.
teleschau: Wie
lange wollen Sie noch auf dem eigens gebauten Autobahnabschnitt patrouillieren
?
Atalay: So
lange ich körperlich fit genug bin und die Zuschauer die Serie sehen wollen
(lacht). Davon ist ja letztlich alles abhängig.
teleschau: In
dieser Hinsicht können Sie doch beruhigt sein. 2005 lockte "Alarm für
Cobra 11" durchschnittlich über fünf Millionen Zuschauer vor den Fernseher
...
Atalay: Das
liegt aber auch größtenteils daran, dass sich in all den Jahren einfach viel
entwickelt hat - die Stunts ebenso wie die Figuren und Geschichten. Was wir
heute produzieren, hat mit den ersten Folgen nicht mehr viel gemein. Die Action
überdeckt schon längst nicht mehr die Handlung. Nur wissen das die meisten
Leute nicht, weil sie auf ihre veraltete Sicht der Dinge beharren - was traurig
ist und der Serie nicht gerecht wird. Aber irgendwann wird man müde, das immer
und immer wieder zu erklären.
teleschau: Gibt es eine Episode, die Ihnen besonders im
Gedächtnis haften geblieben ist ?
Atalay: Ja,
klar. Ich glaube, es war Folge 145. Das Besondere daran: Sie war schlicht
perfekt. Die Action, die sich nahtlos in die Geschichte fügte, die Spannung,
die sich über die gesamte Dauer hielt, die Musik, die Atmosphäre - es stimmte
einfach alles. Nur fällt mir der Name nicht mehr ein (lacht).
teleschau: Was war das schönste, was das schrecklichste
Erlebnis in den letzten zehn Jahren ?
Atalay: Es
gab viele schöne Momente, meist Kleinigkeiten, die nicht besonders sensationell,
dafür aber umso menschlicher waren. Der Umgang am Set ist einfach toll. Es gibt
keine Spinner hier, keine großen Eitelkeiten. Alles ist recht harmonisch und
jeder fühlt sich wohl. Das Schrecklichste sind wohl die Unfälle.
teleschau: Wurden Sie
selbst schon mal verletzt ?
Atalay: Einmal
hab ich mir einen Dorn der Wirbelsäule gebrochen. Ansonsten hatte ich hier und
da ein paar blaue Flecken, Schnittwunden - nichts von Dauer oder Belang.
teleschau: Johannes Brandrup, Mark Keller, René Steinke,
Christian Oliver - Sie hatten im Lauf der Jahre viele Kollegen. Wer ist Ihnen
besonders ans Herz gewachsen ?
Atalay: Ohne
den anderen zu nahe treten zu wollen, aber das bei den Fans beliebteste Paar
sind René und ich. Der Spaß und die Leichtigkeit, wenn wir zusammen vor der
Kamera stehen, hat sich jedoch erst im Lauf der Jahre ergeben.
teleschau: Seit dem Serienstart 1996 haben Sie über
3.000 Autos kommen und vergehen sehen. Um welches Schmuckstück weinen Sie heute
noch ?
Atalay: Wir
mussten einmal einen 1.200er Spitfire in die Luft jagen - das tat mir in der
Seele weh. Bei Oldtimern blutet mir ohnehin das Herz. Ein andermal brannte ein
Rolls Royce aus den frühen 70-ern aus.
teleschau: Vor kurzem hatten Sie mit dem
"Exelero" das derzeit wohl teuerste Auto der Welt in der Serie. Neun
Millionen Euro soll dieser Maybach kosten, der auch glatt als Dienstwagen von
Darth Vader durchgehen könnte ...
Atalay: Der
sieht schon irre aus. Mir wäre er zu groß, zu teuer. Diese Fantasiesumme von
etlichen Millionen - wenn das jemand bezahlen will, bitte schön ...
teleschau: Was fahren Sie privat ?
Atalay: Einen
Maserati 3.200 GT (lacht).
teleschau: Auch
nicht übel. Sind Sie auf der Autobahn ein notorischer Linksfahrer ?
Atalay: Eigentlich
bin ich ein defensiver Fahrer. Gut, ich gebe ordentlich Gas, wenn es die
Straßenverhältnisse zulassen. Aber ich hasse es, wenn die Leute drängeln.
teleschau: Wie
viele Punkte haben Sie derzeit in Flensburg ?
Atalay: Bestimmt
einige wegen meiner Temposünden. Ich musste deswegen auch schon für einen Monat
meinen Führerschein abgeben. Das war ein bisschen wie Freiheitsentzug. Aber
verstehen Sie mich nicht falsch: Ich rase nicht durch die Stadt. Meist werde
ich spät abends oder in der Nacht auf einer leeren Autobahn oder Bundesstraße
geblitzt.
teleschau: Auch in
der Jubiläumsfolge kommen Sie mit dem Gesetz in Konflikt ...
Atalay: Echt
? Worum geht's ?
teleschau: Bitte ?
Atalay: In
welcher Reihenfolge die Episoden ausgestrahlt werden, liegt komplett in den
Händen von RTL.
teleschau: Sie
werden verdächtigt, Ihre Kollegin umgebracht zu haben ...
Atalay: Ah,
die! Ich erinnere mich. Die ist toll, aber schon ein bisschen lange her
(lacht).
teleschau: Noch
eine Frage zur Zukunft der Serie: Bislang wurden die Crashs in jeder Staffel gewaltiger.
Wann ist die Fahnenstange erreicht ?
Atalay: Die
einzige Grenze ist die Zeit. Schließlich haben wir nur 45 Minuten, um unsere
Geschichten zu erzählen. Aber bei der Produktion geht die Entwicklung stetig
weiter. Alles wird immer noch spektakulärer, effektreicher, professioneller ...
©
Alle Rechte bei Teleschau / Gerd Hilber
Poster ©
RTL
Quelle:
cineastentreff.de im Frühjahr 2006, Link inzwischen nicht mehr erreichbar