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Express am
28.04.2002
"Talk am Sonntag"
© Veröffentlichung
schriftlich genehmigt durch Autor Horst Stellmacher - vielen Dank !!
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Der Bauchmensch der Serie. Derjenige, der schon mal fünfe
gerade sein lässt. Immer ein flotter Spruch auf den Lippen, immer eine kleine
Anmache. Er hat was gegen durchgestylte Typen, trägt Jeans und Leder statt
Schlips und Anzug. Der türkische Hauptkommissar "Semir Gerkhan" in
"Alarm für Cobra 11" - das ist der deutsche Schauspieler Erdoğan
Atalay (Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters, geboren in
Hannover). Im Sonntag-EXPRESS verrät er erstmals, wie er zur Serie kam, was
er von einer weiblichen Partnerin hält und wie man mit türkischem Namen in
Deutschland lebt. Das
Interview führte Horst Stellmacher. |
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EXPRESS: Hätten Sie
sich zu Beginn Ihrer Karriere vorstellen können, eines Tages das Gesicht der
erfolgreichsten deutschen Actionserie zu werden ?
Atalay: Nein, sicher
nicht. Ursprünglich wollte ich Musicals spielen, so wie Gene Kelly in "Du
sollst mein Glücksstern sein". Leider singe ich nicht besonders gut, war
zu klein für einen Gruppentänzer und zu alt für einen Solotänzer (lacht).
Super-Voraussetzungen für eine Karriere ! Also habe ich es gelassen, bin auf
die Schauspielschule gegangen und anschließend zum Theater.
EXPRESS: Jetzt sind
Sie in einer rauheren Ecke gelandet. Wieviele Bösewichte haben Sie schon
erschossen ?
Atalay: Ich habe nie
gezählt. Ich habe unglaublich viele angeschossen und mindestens 30 getötet. Das
geschieht nie kaltblütig, sondern nur, wenn es keine andere Möglichkeit mehr
gibt, den Bösen zum bremsen. Meistens bringt er sich aber schon vorher selber
um, indem er sich in Gefahr begibt, aus der er nicht mehr rauskommt.
EXPRESS: Und wie
viel Wagen haben sie schon geschrottet ?
Atalay: Unzählige. Oft
sind es Prototypen vom Werk, die früher oder später in der Schrottpresse
gelandet wären.
EXPRESS: Hatten Sie
Probleme, als Sie das erste Mal eine Wumme in der Hand hatten ?
Atalay: Nee. Es ist schon
grotesk - obwohl ich nie beim Militär war, kenne ich die meisten Waffen durch
meine Arbeit und weiß natürlich, wie sie funktionieren.
EXPRESS: Sie zeigen
damit, dass Probleme mit der Waffe gelöst werden können. Das ist eine Art von
Verherrlichung ...
Atalay: Das könnte man
eher bei Arnold Schwarzenegger oder Bruce Willis behaupten. Wenn jemand so
debil ist, unsere Serie in die Realität zu übertragen, braucht er unseren Film
nicht. Der dreht so oder so durch.
EXPRESS: Die Action
ist fast amerikanisch. Aber wie es mit dem Sex ? Sie leben als Figur ja
ziemlich spartanisch.
Atalay: Nur ziemlich.
Denn es ja immer mal wieder eine Liaison. Außerdem darf man Semir's
Dauerfreundin Andrea nicht vergessen, da gab's ja schon öfter die eine oder
andere heiße Situation.
EXPRESS: Demnächst
steigt Ihr Dauerpartner René Steinke aus. Wie wär's, wenn Sie dann eine Frau an
Ihre Seite bekämen ?
Atalay: Ich habe eine
Folge mit einem weiblichen Wesen abgedreht. Sie ist lustig, verträumt, äußerst
liebesbedürftig. Hat kurze Beine, lange Ohren und eine kalte Nase. Sie heißt
Chayenne - ist aber eine Hundedame. (Anm. der
Webmasterin: es handelt sich um "Johannes") Ansonsten wird
es bei einem männlichen Partner bleiben. Wir erzählen ja die Geschichte einer
Männerfreundschaft.
EXPRESS: Was ist das
Geheimnis von Cobra 11, die seit Jahren an der Quoten-Spitze liegt ?
Atalay: Dass es die erste
deutsche Action-Serie war. Die Zuschauer waren zuerst neugierig, was das wohl
ist: deutsche Action auf deutschen Autobahnen mit deutschen Autos und deutschen
Schauspielern. Das wurde mit kritischem Wohlwollen aufgenommen. Jetzt ginge das
nicht mehr. Wenn heute eine Action-Serie neu rauskommt, muss sie perfekt sein.
EXPRESS: Zu Beginn
von Cobra 11 schienen Schauspieler kaum eine Rolle zu spielen, da achtete man
nur auf die Action. Hat sich das geändert ?
Atalay: Glücklicherweise
ja. Sicher ist die Action immer noch ein großer Teil des Erfolges, aber wir
sind längst gleichberechtigt.
EXPRESS: Geht der
gute Ruf, den man als Schauspieler hat, mit Serien flöten ?
Atalay: Nein. Es hat
schließlich mit der Arbeit zu tun, an der man gemessen wird. Außerdem gibt's
von mir noch mehr zu sehen - am 16. Mai zum Beispiel den Action-Film
"Maximum Speed", den ich in Berlin gedreht habe. Er hat nichts mit
Cobra 11 zu tun.
EXPRESS: Wie sehen
Sie Ihre Cobra 11-Rolle ?
Atalay: Mich
interessieren Action-Helden nicht, die keine Angst haben. Man muss bei den
Figuren den Menschen dahinter erkennen. Wir zeigen, dass wir auch Angst haben,
ehe wir die Tür eintreten. Und wenn wir an der Fassade rumklettern, sieht man,
dass wir uns nicht so sauwohl fühlen. Wir machen das, um jemanden zu retten und
nicht, weil wir Spaß an Action haben.
EXPRESS: Sie haben
einen türkischen Vater und tragen einen türkischen Namen. Glauben Sie, dass das
Ihre Karriere beeinflusst hat - positiv oder negativ ?
Atalay: Weder, noch. Die
Figur, die ich spiele, hat zwar einen türkischen Namen, ist aber assimiliert.
Am Anfang gab's kurz die Überlegung, ob wir ihn türkisch radebrechen lassen,
aber das wollte ich nicht. Denn er hat deutsche Wurzeln wie Millionen andere
hier auch. Dass Ausländer so eine Sonderrolle spielen, gibt es mittlerweile nur
noch in Deutschland. Selbst in den USA sind alle heimisch geworden und spielen
keine Sonderrollen mehr.
EXPRESS: Sind Sie
in der Türkei ein Star ?
Atalay: Ja, da gibt's ja
auch Cobra 11. Die Serie ist so populär, dass ein Besuch von mir in der Türkei
sogar in den dortigen TV-Nachrichten gemeldet wurde. Und das alles, obwohl ich
kaum ein Wort Türkisch kann.
EXPRESS: Sind Sie
in Deutschland schon mal schlecht behandelt worden, weil man in Ihnen einen
Türken sah ?
Atalay: In Berlin wollten
die Behörden mal meinen Reisepass nicht verlängern, weil der zuständige Beamte
meinte, ich sei vor 35 Jahren unrechtmäßig in den Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft
gekommen. Völlig blödsinnige Beamtenwillkür ! Und einmal bin ich auf der Straße
angepöbelt worden: "Geh doch dahin, wo du hergekommen bist." Diese
Aufforderung machte überhaupt keinen Sinn, weil ich ja in Hannover geboren bin.
Nebenbei noch
angemerkt:
Der Mann,
der durchs Feuer geht: Erdoğan Atalay (Erdoğan bedeutet
"geboren als Soldat"). In Köln dreht er (die längste Zeit des
Jahres), in Berlin spannt er aus. Er ist verlobt mit Schauspielerin Astrid Ann
Marie Pollmann. Hobbys: Tauchen, Bladen, Reiten