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- Die Krimi-Nacht am 15.03.2003 in Köln -

www.moerderischesvergnuegen.de

 

 

Hier in Auszügen das Interview

mit Erdoğan Atalay, Hermann Joha (ActionConcept) & Andrea Izquierdo (Autor),

geführt von Tommy Millhome (DomRadio)

 

 Die Fotos zur Veranstaltung gibt es >> hier

 

 

 

Tommy Millhome:             Alarm für Cobra 11 - die Autobahnpolizei, die erfolgreichste Actionserie im deutschen Fernsehen. Im Moment läuft auf RTL sage und schreibe die 10. Staffel. Millionen sehen Woche für Woche die Abenteuer von Kranich und Gerkhan.

Und, haben Sie ihn erkannt ? Hier ist er, Polizeihauptkommissar Semir Gerkhan alias Erdoğan Atalay.

 

*Applaus, Erdoğan betritt die Bühne*

 

Herzlich willkommen, Erdoğan. 36 Jahre alt ist er, in Hannover geboren ...

 

Tommy Millhome:             Spezialität der Serie sind zweifelsohne die aufwendigen Stunts. Über 500 Fahrzeuge landeten seit Sendestart schon in der Schrottpresse. Ehrensache, dass wir auch den Autoschlachter hier haben. Der Mastermind, der hinter der Serie steckt, 'Alarm für Cobra 11 – Die Autobahnpolizei'.

Und hier ist er, Hermann Joha.

 

*Applaus, Hermann Joha kommt*

 

Tommy Millhome:             Millionen sehen diese Serie, aber vielleicht sind auch zwei, drei hier heute abend, die diese Serie noch nicht kennen. Also, für alle die, vielleicht können wir einmal kurz zusammenfassen, worum geht’s da ?

 

*Publikum lacht*

 

Erdoğan Atalay:              Ja, worum geht’s da ? Ja, ... um böse, böse Leute, die wir irgendwann mal fangen werden in 45 Minuten. Es ist ein breites Spektrum, also, es gibt keine spezifische Geschichte, die wir besonders rausheben oder so. Das können Drogenschieber, Verbrecher ... ich meine, der Titel selber, der während des Vorspanns läuft, der sagt es eigentlich schon - es gibt unglaublich viele verschiedene Dinge, die wir behandeln. Also, das geht die ganze kriminelle Geschichte rauf und runter, das kann man nicht so genau spezifizieren.

 

                      

 

 

Tommy Millhome:             Also sagen wir mal so, alle Schweinereien, die auf Autobahnen passieren, im weitesten Sinne, ja?

 

Hermann Joha:                 Ja gut, also, ich meine, jeder der die Serie kennt ... wir bedienen ein Genre. Es gibt das Horrorgenre, es gibt das Actiongenre, es gibt das klassische Krimigenre, dem der Abend ja hier ja gewidmet ist, und wir bedienen ganz klar das Actiongenre. Wenn ich jetzt hier in den Raum schaue, dann glaube ich, sehe ich keinen einzigen typischen Cobra 11 -Seher.

 

*Lachen unter den Zuschauern*

 

Tommy Millhome:            Wie sieht ein typischer Cobra 11-Seher denn aus?

 

Hermann Joha:                 Das ist mit Sicherheit in keiner Weise negativ, aber wir sind seit Jahr und Tag von  jedem Feuilleton der Süddeutschen, der Kölner ... äh ... des Kölner Stadtanzeigers oder von der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) gnadenlos zerrissen worden, und sollte das irgendwann nicht mehr passieren, dann kriegen wir ein Riesenproblem, dann machen wir irgendetwas verkehrt.

 

...*Tommy, Hermann und Erdoğan setzen sich*

 

Tommy Millhome:             So, also Erdoğan, 'nen Polizeihauptkommissar, Erdoğan Atalay spielt ihn. Aber noch nicht immer in Cobra 11, sondern die erste Rolle hattest du im zarten Alter von 18 Jahren ... darf ich’s verraten?

 

Erdoğan Atalay:              ... als  als ... sag’s mir ...

 

Tommy Millhome:             Aladin und die Wunderlampe.

 

Erdoğan Atalay:             Nein ! *lacht*

 

Tommy Millhome:            Ja, tatsächlich ? War das 'ne gute Vorbereitung auf 'Cobra 11' ?

 

*Publikum lacht*

 

Erdoğan Atalay:              Also, das war damals am Theater, aber ich habe nicht Aladin und die Wunderlampe.. also, ich habe nicht den Aladin gespielt, sondern ich habe damals als ...

 

Tommy Millhome:            ... auch nicht die Wunderlampe ... ?

 

*Gelächter*

 

Erdoğan Atalay:                ... nein, auch nicht die Wunderlampe. Ich habe damals den Geist bewegt in diesem Stück. Den Geist ! Das ist ... das war für mich eine unglaubliche Geschichte, weil ich das erste Mal am Theater war und ... ja, und ich hab' also in diesem Geist gestanden und habe ihn bewegt, keine Sau hat mich erkannt, aber ich war sehr stolz drauf.

 

Tommy Millhome:             Das kann ich mir vorstellen. Weiter ging’s dann mit einem Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg und schon bald tauchte Erdoğan auf in den Produktionen "Die Wache“ und "Doppelter Einsatz“.

Ist Krimi schließlich und endlich dein Fachgebiet als Schauspieler?

 

Erdoğan Atalay:                Ich glaube, das hat damit was zu tun, wie das Angebot ist. In erster Linie ist man Schauspieler und man wägt die Angebote ab; was einem gefällt und ... 'Cobra' ist, was mir sehr gut gefällt ... bin ja auch schon sehr lange dabei. Am Anfang wusste ich das nicht, ich konnte nicht sagen, 'ich muss das' oder 'ich will das machen' oder so, 'und das nicht'. Das hat sich dann alles so ergeben, über die Jahre.

 

Tommy Millhome:             Und nun 10. Staffel, jetzt bist du ein Star. Was glaubst du, was mögen die Leute am meisten an dir?

 

Erdoğan Atalay:                An mir persönlich? Das weiß ich nicht, das muss man die Leute fragen. Aber was sie an der Serie mögen, glaube ich, ist dass die nie stagniert hat, dass sie über die ganzen Jahre, wenn man das verfolgt, 'ne Entwicklung gemacht hat. Also diese anfänglichen Schwierigkeiten, die wir hatten. Auch die Bücher zu schreiben, mit diesen Stunts, dass das so zusammenpasst. Wie‘s ja auch so die erste Actionserie war, und dann ging das über Jahre halt. Also, finde ich, hat das so einen Bogen gemacht irgendwie, weil die Arbeit an der ganzen Sache nie wirklich aufgehört hat. Also, ich weiß nicht, wie das bei anderen Serien ist, aber oftmals ist es dann: man hat dann was und dann bleibt das auch so. Das tun wir eben nicht, wir kucken immer weiter, dass es besser wird. Dass wir die Geschichte diffiziler machen und so, also da hört diese Arbeit nie auf und das ist das, was mir gefällt.

 

Tommy Millhome:             Ich hab’s ja schon gesagt, es geht nicht immer so ganz zimperlich zu bei 'Alarm für Cobra 11'. Gibt’s da beim Dreh manchmal Momente, in denen du denkst ... sszszszszszszszs  ... na, wenn dat mal gut geht.

 

Erdoğan Atalay:                Oh. Nein. Also, da muss man dazusagen, die Stuntjungs, mit denen wir arbeiten selber, da ist niemand dabei, der sein Leben in dem Sinne riskiert. Unabhängig davon ist das ein sehr risikoreicher Beruf, Stuntman. Wir machen auch schon eine ganze Menge Sachen selber, aber das ist natürlich immer in Absprache mit der Stuntkoordination und wird so lange getestet, dass es ein kleinstmöglichstes Risiko gibt. Dass immer ein Risiko dabei ist, ein winzig Kleines, das ist auch klar. Aber es ist auf keinen Fall so, dass wir da unser Leben riskieren. Also, das ist nicht so.

 

Tommy Millhome:             Und der Mann, der dafür sorgt sitzt neben mir, Hermann Joha. Wie gesagt, tut's Ihnen wenigstens manchmal ein bisschen um die Autos leid?

 

Hermann Joha:                 Die kriegen wir kostenlos, das ist kein Problem.

 

*Das Publikum lacht.*

 

Tommy Millhome:             Toll, wo gibt’s die?!

 

Hermann Joha:                 Das sind Vorserienmodelle von BMW und Mercedes. Ich mein', das steht in jeder Zeitung also, ich erzähl' Ihnen keine Geheimnisse. Und ... das sind also die Dinger, wo eine Türe eine milliarde Male auf- und zugemacht wird, um zu sehen, ob Materialermüdungen sind. Das Auto kann man nicht mehr verkaufen und bei uns kommen dann Sattelschlepper auf den Hof und wir dürfen die dann in gar keiner Weise irgendwie ausschlachten oder so. Das einzige, was wir dürfen, ist, sie als Handkoffer zurückliefern.

.... Wir haben eine sehr schöne Internetseite, das ist www.actionconcept - also ganz einfach der Firmenname - .com. In der Artline beschrieben ist, wie solche Stunts gemacht werden, die ganzen Hintergründe der Serie und ... wer’s also wirklich nicht kennt, wir hatten jetzt am Freitag den absoluten Quotenrekord mit 7,5 Millionen Zuschauern und 30% Marktanteil und das sind, nur dass Sie ein Verhältnis dazu haben, zwei Millionen mehr  wie 'Tagesschau' und 'heute' am selben Tag, also im weiten Abstand. Nur, dass man einfach mal die Dimensionen versteht. Also, dieses Genre wird sehr geschätzt, den Leuten gefällt es ...

Und den letzten Satz, den ich dazu sagen will: viele, viele unserer Autoren; der Andreas, der gleich hier lesen wird, haben so tolle und so schöne Geschichten geschrieben, die definitiv viele, viele 'Tatorts' in den Schatten stellen. Und wer von dem Andreas, der mit Erdoğan gleich aus dem Roman liest, die Folge „Heinrich und Paul“ sieht - ein völlig warme, nette, schöne Geschichte von zwei alten Männern, die dann irgendwo in Paris endet und die natürlich mit Action gefüttert ist - diese Geschichte ist keinen Deut schlechter wie alles andere ...

 

Tommy Millhome:             Wo sitzen die Jungs von der Firma Actionconcept? Ich darf es verraten: an der Hasenkaule in Hürth. Nach dem Namen erwartet man da wahrscheinlich eher eine Gärtnerei als unbedingt Deutschlands berühmteste Film- und Stuntschule. Ich glaube, ich selbst bin schon zu alt, um Stuntman zu werden, oder?

 

Hermann Joha:                 Ja, die Altersbegrenzung jetzt, ich glaub jetzt ... Wenn man absolut begeistert ist, kann man es natürlich auch machen, wenn man älter ist, aber ist dann mehr so Passion, mehr Hobby. Aber wenn man als Stuntman arbeiten will, sollte so die Obergrenze 25/26 Jahre sein und man muss schon ein bisschen so den Faible des Draufgängertum - ohne dass es schwachsinniges Draufgängertum wird - das ist ganz, ganz wichtig. Die Grenze dabei ist fließend ...

 

Tommy Millhome:            Vielleicht so in zwei Sätzen, was muss man können als Stuntman?

 

Hermann Joha:                 Ja, man muss sich vor allen Dingen vorbereitet haben, man muss das Ganze getestet haben, wasserdicht, bevor man irgendwie etwas  vor der Kamera macht. Und, ja, man muss so ein kleines bisschen dramaturgische Ahnung haben. Ansonsten haben wir einen kompletten Ausbildungsgang mit 8 Semestern, in denen haarklein beigebracht wird, was notwendig ist und was nicht. Aber das liest sich auch auf der Internetseite ...

 

Tommy Millhome:             Erdoğan, hast du manchmal Angst vor Konkurrenz in deinem Job?

 

Erdoğan Atalay:                Äh .. .also in meinen Job ?

 

Tommy Millhome:             Ja, ich mein', dass es auf einmal noch andere Kommissare bei 'Cobra 11' gibt?

 

Erdoğan Atalay:                Ja .. nein ... es gibt  .. was heißt Konkurrenz? Also, dass jemand mich quasi verdrängt, wenn ich mal aufhöre, bis jetzt ist das gewollt. Und ansonsten? Nein. Also, wenn jemand mich sehen will, dann guckt er mich an.

 

Tommy Millhome:             Woll’n wir ja auch, wollen wir ja auch. Ich wollte auf was ganz anderes hinaus. Am 17. April bekommen die Polizisten 'Kranich' und 'Gerkhan' nämlich Unterstützung. "Einsatz für Team 2“, ein neues Zweierteam sorgt für Ordnung auf dem heißen Asphalt. Ab 17. April.

Warum ein zweites Team, Hermann?

 

Hermann Joha:                 Die ganzen Teams, die immer an den Schauspielern dran hängen, also Maske, Garderobe, sind immer dieselben, möchten auch ein kleines bisschen mehr Lockerheit im Jahresablauf haben, und da man ja niemanden klonen kann, aber die Anzahl der Serien abgeliefert werden muss, hat man das Gleiche gemacht, was Amerika im Moment mit Riesenerfolg mit der Serie 'C.S.I.' passiert. Dort gibt es jetzt neben dem 'C.S.I.  L.A' die  'C.S.I Miami',  äuft genauso gut. Das haben wir uns überlegt.

 

Tommy Millhome:             17. April. Schauplatz ist derselbe, der Autobahnpolizei, das Team in den Nebenrollen bleibt, aber zwei neue Hauptdarsteller kommen hinzu. Ab Donnerstag, 17. April,  20:15 Uhr RTL einschalten: „Alarm für Cobra 11- Einsatz für Team 2“.

 

                                       (und nun) Andreas Izquierdo, der Mann schreibt nämlich Drehbücher für 'Cobra 11 - Der Autobahnpolizei'. Und ich glaub', er freut sich, wenn Sie Ihre so Handflächen ein bisschen aneinander klatschen lassen.

 

*Andreas nimmt neben Hermann Platz*

 

Ist das ein Unterschied, wenn du Drehbücher für 'Cobra 11' schreibst, im Vergleich zu den Romanen, die du schreibst, Krimis?

 

Andreas Izquierdo:            Ja, der Hauptunterschied: man hat im Fernsehen einfach wenig Zeit, man steht unter großem Druck und muss trotzdem 'was Innovatives und sehr Professionelles abgeben, dafür wird man auch bezahlt. Beim Romanschreiben hat man einfach mehr Muse, also den Druck macht man sich dann selber und man kann sich für einen Roman möglicherweise auch mal ein Jahr Zeit nehmen. Ich kann mir für ein 'Cobra'-Buch kein Jahr Zeit nehmen. Und die anderen Kollegen können’s auch nicht, denn sonst gäb’s nichts zu sehen im Fernsehen.

 

Tommy Millhome:             Ich stell' mir vor, man muss mehr in Bildern denken, wenn man ein Fernsehdrehbuch schreibt, 'ne?

 

Andreas Izquierdo:            Ja, aber das fällt mir nicht schwer, weil meine Krimis, die ich schreibe, auch sehr bildhaft sind. Das geht Hand in Hand. Also ist für mich die Umstellung auch nicht besonders groß.

 

Tommy Millhome:             Ja, ich meine, haben Sie Lust, Andreas Izquierdo zu hören?

 

*Publikum applaudiert*

 

Tommy Millhome:             Das neuste Werk heißt "Schlaflos in Dörresheim“. Der Mann aus Iversheim in der Eifel. Papa war Ingenieur und ist jetzt im Ruhestand, Mutter Spanierin und Krankenschwester, übrigens. Und Andreas schreibt über seine prägenden Erfahrungen in Iversheim, zumindest in Dörresheim, im neusten Buch. Habe ich das richtig wiedergegeben?

 

Andreas Izquierdo:            Ja, ja, eigentlich schon ... Weshalb Dörresheim ? Weil mein Vater noch dort wohnt - in Iversheim. Sonst hätte ich es Iversheim genannt. Aber der Nordeifler an sich ist zuweilen humorlos, und dann dachte ich, ich nehme Dörresheim und dann fühlt sich auch keiner persönlich angesprochen.

 

Tommy Millhome:             Ist das so ein bisschen Parodie auf Krimi?

 

Andreas Izquierdo:            Nö, Parodie nicht. Die meisten werden die Eifel kennen. Also die meisten Kölner jedenfalls - blockieren ihre Autos die Landstraßen am Wochenende. Der Eifler an sich ist ein Spezies, ist einfach ein Typ und der lässt sich leicht überhöhen oder überzeichnen und das macht, denke ich, ein bisschen die Bücher aus, irgendwie dass die Figuren etwas überzeichnet sind . Aber sie haben vieles von dem, was hier passiert ist, und auch ähnlich in Wirklichkeit passiert.

 

Tommy Millhome:             Er nestelt schon so bisschen am Buch herum mit den Händen, ich hab' den Eindruck, er würde sich freuen, wenn Sie so lange applaudieren, bis er gleich da unten steht und liest, und zwar gemeinsam mit seinem Fernsehstar Erdoğan.

 

*Applaus*

Es folgte die Lesung aus dem Buch (Kapitel "Inkognito"), Andreas als Vorleser und "Käuss" sowie Erdoğan als "Al".

 

 

 

* * * * *

 

Vielen Dank an Andrea Benz und Ute Lafin für die Abschrift des Interviews !

© Fotos: Andrea Benz und Ute Lafin

 

 

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